Es vergeht keine Woche, in der wir nicht die ein oder andere Anfrage bekommen, die sich mit dem Thema Marktanalyse beschäftigt. Das ist nicht verwunderlich, basieren doch viele Businesspläne auf solchen Daten, um herauszufinden, ob das zukünftige Unternehmen erfolgreich sein könnte. Die blanken Zahlen helfen im ersten Schritt, um zumindest ein Gefühl für den Markt zu bekommen.

Wenn man den Markt für Foodtrucks analysieren möchte, dann gibt es mehrere Möglichkeiten. Auf Basis von statistischen Daten und repräsentativen Umfragen verschiedenster Marktforschungsunternehmen versuchen wir uns an einer Marktpotentialanalyse und einer zukünftigen Marktvolumen Schätzung.

Marktpotential von Foodtrucks in Deutschland

Das Statistische Bundesamt stellt uns jede Menge Informationen zur Verfügung. Unter anderem bekommt man die Information, dass im monatlichen Mittel 2015 42,94 Mio Menschen berufstätig waren. Für diese Bundesbürger wird der tägliche Weg zur Arbeit immer länger und somit auch der Abstand zur eigenen Küche. In der Arbeit angekommen ist der mittägliche Gang zur Kantine auch bedeutend weniger verbreitet, als gemeinhin angenommen. Nur 11,5 % essen laut einer Statistik von Tomorrow Focus Media häufig in einer Kantine und 30,9% nutzen nur selten diese Möglichkeit.

Balkendiagramm Essverhalten Arbeitsplatz; Mitgebrachte Brote usw. 55,9%; Mitgebrachtes Obst und Gemüse 46,6%; Sandwich aus umliegenden Geschäften 29%; Schnellimbiss 22,8%; Firmenkantine 19,5; Angebote umliegender Restaurants 14,4%; zu Hause 11,1%

Statistik über das Essverhalten am Arbeitsplatz – 29% aller sind für Foodtrucks attraktiv und an den Restlichen kann man arbeiten ;-) – Mehrfachantworten waren möglich. Quelle: © GfK / statista.com

Eine für Foodtrucks besonders interessante Umfrage stammt von der GfK aus Nürnberg. Für diese Statistik wurden Berufstätige nach ihren täglichen kulinarischen Gewohnheiten befragt. Eine Mehrfachantwort war möglich und erklärt auch die Ergebnisse. So ist es nicht verwunderlich, dass der größte Teil der Arbeitnehmer Deutschlands mittags das isst, was sie sich selbst mitgebracht haben. Aber in der Rangliste gleich danach kommen die „Sandwiches aus umliegenden Geschäften“. Mit 29% liegt dieser für Foodtrucks so wichtige Anteil recht hoch. Das Ergebnis der Befragung passt auch zu anderen Statistiken und ist eine gute Basis für die Berechnung des Marktpotentials.

Wenn man jetzt davon ausgeht, dass jeder 5 Euro netto täglich am Foodtruck bezahlt, ergibt sich für ein Jahr ein Potential von 14,3 Mrd. Euro – Urlaubszeit mit berücksichtigt. Jetzt darf man aber nicht das Marktpotential mit dem Marktvolumen verwechseln, denn ersteres repräsentiert die zu erwartende höchstmögliche Marktnachfrage, bei der alle Potentiale berücksichtigt wurden. Auch ist es mit dieser Berechnung nicht möglich, das Volumen der Foodtruck- und Street-Food Events abzuschätzen.

Viele der im Netz veröffentlichten Statistiken belegen, dass der Trend zu gesünderer und bewusster Ernährung weiter anhält. Die Beliebtheit von vegetarischen und veganen Foodtrucks bestätigt dies. Daher versuchen immer mehr klassische Fast Food Ketten auf diesen Gesundheitszug aufzuspringen und betreiben für ihre Produkte „greenwashing“. Für die Marktanalyse ist es auch von großer Bedeutung, dass laut einer GfK-Studie immer weniger in den eigenen vier Wänden gekocht wird. Dabei verlieren wir nicht die Lust an gutem Essen, sondern viele haben nur noch wenig Zeit dafür und andere haben es nicht gelernt, sich selbst mit den eigenen Lieblingsspeisen zu versorgen. Alles hervorragende Voraussetzungen für Foodtrucks, die wie kein anderer Bereich der Gastronomie für regionales und bewusstes Essen stehen.

Einer der größten Vorteile von Foodtrucks ist deren Ortsunabhängigkeit. Vor Ort bekommt der Kunde alles, was er für einen erfolgreichen Tag benötigt. Verschiedene Foodtruck Konzepte werden entstehen und weitere technische Funktionalitäten werden das Bestellen und Bezahlen am Truck weiter vereinfachen. Somit reagieren Foodtrucks nur auf das, was in der Berufswelt schon lange gefordert wird: Flexibilität. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, genau das können Foodtrucks perfekt.

Marktvolumen der Foodtrucks in Deutschland

Das Marktvolumen ist für einen so stark wachsenden Bereich wie Foodtrucks nur sehr schwer zu kalkulieren. Ständig verändern sich die Bedingungen und neue Ideen rücken ganz andere Möglichkeiten in den Fokus. Basierend auf den aktuellen Entwicklungen hin zu mehr Qualität bei dem, was wir täglich so zu uns nehmen, sind es aktuell fast nur die Foodtrucks, die es schaffen diese Veränderung zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dabei hat der Foodtruck Markt sein Potential noch nicht einmal annähernd ausgeschöpft. Ich lehne mich vielleicht etwas weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass der Markt für Foodtrucks in Deutschland in den nächsten 10 Jahren eine Größe von 2 Mrd. Euro erreichen wird. Eine extreme Steigerung zu heute, das stimmt, aber wenn Foodtruck Importeure und Umrüster schon heute nicht mehr den Anfragen und Aufträgen Herr werden, dann ist das vielleicht ambitioniert, aber nicht utopisch. Wenn sich dann auch noch die Regelungen für den Verkauf in öffentlichen Räumen ändern würden, wäre diese Schätzung schon wieder konservativ.

Der Markt der Foodtrucks entwickelt sich gerade rasant und es ist noch lange kein Ende abzusehen. Voraussetzung für einen erfolgreichen Foodtruck sind und bleiben aber die Gerichte, die dieser anbietet. So werden in den nächsten Jahren, wie auch jetzt schon in anderen Ländern, erfahrene Gastronomen in diesen Bereich wechseln. Spannend wird es es auf jeden Fall – UND LECKER!

Diese Schätzungen sind nur ein Versuch, sich dem Thema zu nähern. Wenn Interesse für eine Masterarbeit zu dem Thema aus dem Bereich Betriebswirtschaft oder Entsprechendem besteht, wir unterstützen gerne. Einfach melden.

  • Autor
  • Markus A. Wolf
  • Letzte Änderung
  • 2018-12-14
  • veröffentlicht
  • 2015-08-23
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Portrait Markus A. Wolf

Markus A. Wolf

Vom Lebensmittelchemiker zum Designer. Guter Ge­schmack ist ihm angeboren. „Slow food on fast wheels“ ist das Credo des Foodtruck-Experten und Innovationsmanager, mit dem er die Branche beschreibt.