Während einige sich erst einen Foodtruck kaufen in der Hoffnung ihr Gericht schon irgendwie zu finden, um dann diesen Truck zusammen mit einem Metallbauer angemessen auszubauen, gehen andere einen eher planvolleren Weg. Wichtig bei der Auswahl des Foodtrucks ist immer, dass er zu euch und eurem Gericht perfekt passt.
Innenansicht Foodtruck Küchengeräte Fahrerhaus

Roka Hausmesse 2015 – Foodtruck Innenansicht vor dem GoLive. Foto: © Lucio Chagas Schnell

Zusammen mit Volker Beck von Roka habe ich mich dem Thema einmal angenommen, um euch einige Hilfestellungen hierzu zu geben. Bei der Auswahl gibt es sehr viel zu beachten. Das beginnt bei der Raumhöhe und geht bis zum Platz, den ihr im Foodtruck zur Verfügung habt. Die ersten Schritte zum Truck sind in dem Konzept „Lean-Foodtruck“ sehr gut beschrieben. Erst wenn euer Gericht steht, oder ihr euch sicher seid, was es werden wird, solltet ihr euch auf die Suche nach einem geeigneten Truck machen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine wäre es die beliebten Foodtrucks aus den USA zu importieren und in Deutschland ausbauen zu lassen. Eine andere gleich direkt in Deutschland alles zusammen von einem geeigneten Unternehmen machen zu lassen. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Worauf muss ich bei der Wahl eines Foodtrucks achten

Sehr wichtig bei der Auswahl eines geeigneten Trucks ist es, die deutschen Arbeitsstättenverordnungen zu beachten. Dabei geht es vom rutschfesten Boden – für Foodtrucks gilt meistens die Rutschklasse R12 (V4) – über die Arbeitshöhe bis zu Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnungen. Wenn ihr plant euren Foodtruck selbst auszubauen, werdet ihr euch mit all dem beschäftigen müssen. Deshalb empfiehlt es sich hier einen geeigneten Foodtruck Ausbauer zu finden, der euch diese Arbeit abnimmt. Nichts ist schlimmer, als mit einem fertigen Foodtruck endlich auf die Straße zu gehen, nur um dann feststellen zu müssen, dass nach einer amtlichen Überprüfung der Foodtruck so nicht eingesetzt werden darf. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass bei Verstoß mit mehreren tausend Euro Strafe zu rechnen ist.

Die Abluft muss ordentlich funktionieren, die Stehhöhen den Vorgaben entsprechen und auch die Ausstattung mit Schutzschaltern ist genau vorgeschrieben. Ein heikles Thema, das gerne beim Ausbau vergessen wird, ist die maximale Zuladung. Ein toll geplanter Truck mit allen Extras kann leicht die maximale Zuladung übersteigen. Um diese Obergrenze nicht zu übersteigen und die Zulassung trotzdem zu bekommen werden temporär Geräte ausgebaut. Ein schwerwiegender Fehler, den definitiv keiner machen darf. Daher von Beginn an auf die maximale Zuladung achten. Was auch gerne vergessen wird, ist dass neben den Geräten ja auch noch Personen im Truck arbeiten. Diese Gewicht kommt noch on top.

Natürlich muss dieser Truck ja auch bewegt werden. Ein Truck mit mehr Zuladung und mehr als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bedarf eines eigenen Führerscheins (C1). Den hat nicht jeder und er kostet extra Geld. Dazu kommt noch, dass in vielen deutschen Städten eine grüne Plakette notwendig ist, um in die Innenstadt fahren zu dürfen. Wenn ihr also z.B. in Stuttgart unterwegs sein möchtet und mit einem Truck liebäugelt der niemals die grüne Plakette erhalten würde, dann lieber die Finger davon lassen. Ausnahme: Der Foodtruck wird nicht bewegt sondern nur mit einem Anhänger von Ort zu Ort gefahren. Diese Möglichkeit gibt es auch und wird gerne dort genutzt, wo die Trucks mit Baujahren vor 1960 eingesetzt werden. Einen Citroën H Van Baujahr 1996 zu bekommen, der als mobile Küche konzipiert wurde und heute noch fährt ist eine Rarität. Da dies dann auch ein Oldtimer wäre, gibt es bezüglich der grünen Umweltplakette Ausnahmeregelungen, aber Achtung: Gewerbliche Nutzung.

Das Thema Gas oder Strom hängt ganz von den Gerichten ab, die ihr anbieten möchtet. Strom ist für die Kühlung und Küchengeräte wichtig, während mit Gas häufig gekocht wird. Daher gibt es gute Lösungen, die unterschiedlichen Energiequellen im Foodtruck miteinander zu kombinieren. So erzeugt Gas über einen Generator auch den benötigten Strom. Alternativ dazu kann ein Benzin / Diesel Generator auch an den Tank des Trucks angeschlossen werden, um auch während der Fahrt die Kühlkette aufrecht zu erhalten. In all diesen Fällen kommen geräuscharme Generatoren zum Einsatz.

Arbeitsstättenverordnung nicht vergessen

Der Klappe solltet ihr euch besonders widmen, denn sie soll ja auch zu öffnen sein. Nicht lachen, aber bei dem ein oder anderen Ausbau ist es schon passiert, dass die Hydraulik nicht drauf ausgelegt war, die Klappe vollständig zu öffnen. Also die Klappe immer testen und auch darauf achten, dass sie ordentlich schließt. Sie ist das Tor zu euren Kunden und daran sollte niemals gespart werden.

Beim Innenausbau ist es wichtig Geräte zu nutzen, die auch dauerhafte Vibrationen aushalten; nicht jedes Gerät ist dafür ausgelegt. Erfahrene Foodtruck Ausbauer haben da die passenden Hersteller an der Hand und können auch mit guten Prozenten punkten. Das Thema Außenbeklebung wird in einem gesonderten Artikel behandelt, weil die Empfehlungen den Rahmen dieses Artikel sprengen würden.

Foodtruck gebraucht oder neu

Die erste Entscheidung, die ihr treffen müsst, ist, ob es ein neuer oder gebrauchter Truck sein soll. Ein neuer Foodtruck bietet von Anfang an eine hohe Zuverlässigkeit und entsprechenden Fahrkomfort wie Klimaanlage oder Rückfahrkamera. Der Verbrauch ist geringer und man kann die Motorisierung so wählen, wie man sie benötigt. Trucks in Europa fahren fast ausschließlich mit Diesel, während Importfahrzeuge häufig mit Benzin betrieben werden. Da kann eine Fahrt mit einem Step Van über 150 km hin und zurück schon mal 90 Liter – aktuell 126 Euro – kosten. Geld, das erst erwirtschaftet werden muss. Wenn man selten bis nie längere Strecken fährt, kann es sich lohnen, einen dieser charmanten Trucks zu nehmen.

Genau das ist es ja auch, was die Foodtruck Szene ausmacht. Begeisterte Trucker fahren voller Stolz mit ihren liebevoll restaurierten Trucks von Standort zu Standort.

LKW Versicherungen und Haftpflicht sind auch sehr unterschiedlich. Manche haben das Glück und ergattern einen Oldtimer, der schon eine Klappe eingebaut hat, andere müssen den Truck gewerblich versichern. Ein Foodtruck mit Rußpartikelfilter ist natürlich steuerlich günstiger, als einer ohne, aber mit 1.500 Euro beispielsweise für einen Fiat Ducato Multijet solltet ihr schon rechnen.

Vielen Dank auch an Volker Beck von der Roka Werk GmbH, der mich mit seinen Antworten fachlich unterstützte.

  • Autor
  • Markus A. Wolf
  • Letzte Änderung
  • 2018-12-14
  • veröffentlicht
  • 2015-10-26
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  • Lucio Chagas Schnell

Portrait Markus A. Wolf

Markus A. Wolf

Vom Lebensmittelchemiker zum Designer. Guter Ge­schmack ist ihm angeboren. „Slow food on fast wheels“ ist das Credo des Foodtruck-Experten und Innovationsmanager, mit dem er die Branche beschreibt.