Während sich Deutschland der Aufarbeitung des Weihnachtsspecks widmete, trafen sich in Dortmund zahlreiche Street Food Interessierte, um sich über aktuelle und zukünftige Themen auszutauschen. Die Inhalte hätten vielfältiger nicht sein können, geht es doch aktuell darum, eine ganze Branche zu professionalisieren. Dieser Weg wird nicht einfach sein.
Mike Süsser und Ulf Tassilo Muench auf Bühne

Der STREET FOOD CONGRESS Europe wurde von Mike Süsser und Ulf Tassilo Muench eröffnet.

Gleich zu Beginn wurde in Dortmund ein Thema groß diskutiert und stand innerhalb der zwei Tage immer wieder zentral im Mittelpunkt: Events. Dabei ging es weniger um Event Organisation, als vielmehr die Standplatzvergabe auf jenen Street Food Festivals. Angemerkt wurde auch, dass seitens der Veranstalter zwar einerseits Vielfalt gewünscht wird, aber Anbietern mit Produkten abseits der Klassiker nur schlechte Standplätze zugeteilt werden. Aber auch Kunden erwarten diese Vielfalt, essen dann aber doch wieder beim Burger- oder Pulled-Pork-Foodtruck. Dass diese Entwicklung nicht gut ist für die Street Food Branche ist, dabei war man sich einig.

Ein weiterer Kritikpunkt im Eventbereich: die zahlreichen schwarzen Schafe, die sich sowohl bei den Eventveranstaltern wie auch bei den Street Food Anbietern tummeln. Eine Lösung könnte ein Qualitätszertifikat für Anbieter und Organisatoren sein, welches von allen Beteiligten als hilfreich und sinnvoll erachtet wurde.

Ein großer Vorteil für die neue Event-Saison wird sein, dass wir von Craftplaces auf der Plattform in Kürze ausgesuchten Eventveranstalter die Möglichkeit geben werden, ihre Events auf der Plattform zu hinterlegen. Auf diesem Weg erreichen Veranstalter direkt das Millionenpublikum der Streetfood Fans und können sich von den schwarzen Schafen der Branche absetzen.

Lebensmittelüberwachung und deren Rechte

Michael Bäuml beim Hygienevortrag

Der zertifizierte Hygienebeauftragte Michael Bäuml stellte sich den Fragen.

Dass das Thema Hygiene immer zu vollen Veranstaltungsräumen führt, ist sicherlich jedem bewusst, So auch auf dem STREET FOOD CONGRESS Europe. Unter dem etwas holprigen Titel „HACCP – Keine Angst vor der Kontrolle“ ging der zertifizierte Hygienebeauftragte Michael Bäuml auf die zahlreichen Fragen zum Thema ein. Eine Lösung für die regional doch extrem unterschiedlichen Bedingungen konnte aber auch er nicht bieten. Viele überraschtendie Befugnisse der Lebensmittelüberwachung:

  • Betretungsrecht zu allen Betriebsräumen
  • Betretungsrecht zu Betriebs- und Geschäftszeiten
  • Prüfung von Einrichtungsgegenständen und Geräten
  • Einsicht in Lieferscheinen, Rezepturen oder Schulungsunterlagen
  • Anfertigung von Fotos
  • Anfertigung von Abschriften und Kopien

HACCP – Keine Angst vor der Kontrolle

Gerade die letzten beiden Punkte stehen im direkten Konflikt mit der Wahrung von Betriebsgeheimnissen. Laut Michael Bäuml ist der Lebensmittelüberwachung beispielsweise das detaillierte Rezept von Coca Cola bekannt. Dass davon sogar Kopien angefertigt werden dürfen, überraschte mich persönlich doch sehr.

Aufgrund des großen Interesses zu dem Thema wird sich Craftplaces zusammen mit Michael Bäuml dem Thema Lebensmittelüberwachung noch einmal gesondert in einem Fachartikel widmen und umfangreich informieren.

International, international und international

Brett Burmeister auf Bühne

Brett Burmeister von „Food Cart Tour of Portland“.

Für mich persönlich war das Wiedersehen mit Brett Burmeister aus Portland eines der großen Highlights in den zwei Tagen – neben den abendlichen Burgern in Dortmund natürlich Food Brothers, Big Boost Burger, Roasters Burger). Brett veranstaltet regelmäßige Food-Cart Touren durch Portland und so lernte ich ihn auch kennen, als ich im Frühsommer 2017 nach Portland, Oregon kam, um dort die Food- und Bierszene mehrere Tage lang zu erkunden. Schon damals dachte ich mir: Die Welt ist tatsächlich ein Dorf, als wir im Gespräch auf die Street Food Szene in Deutschland und unsere gemeinsamen Bekannten zu sprechen kamen.

Wer den leidenschaftlichen Timers-Fan (Fußballclub aus Portland, OR) auch mal live erleben möchte, kann bei einem USA-Trip eine Tour in der tollen Stadt am Columbia- und Willamette-River einplanen. Hier erfahrt ihr mehr über die Tour und die Food-Carts in Portland.

Aber nicht nur Brett berichtete aus dem Ausland, sondern auch England war geballt auf dem Streetfood Congress Europe vertreten. Vertreter der dortigen Szene berichteten über die Situation der Street Food Anbieter, das Tagesgeschäft und Events. Aber auch die kulinarischen Trends wie beispielsweise „Fried Chicken“, die man aktuell in London überall finden kann, kamen nicht zu kurz. London sollte für jeden Street Food Einsteiger Pflicht-Recherche sein, da die Kosten für einen Flug dorthin überschaubar sind.

Catering, Event und Tagesgeschäft

Klaus P. Wünsch, Matthias Graf und Jochen Manschke auf Stühlen

Klaus P. Wünsch, Matthias Graf und Jochen Manschke, gemeinsam für ein erfolgreiches Tagesgeschäft.

Am zweiten Tag war dieses Dreigestirn ein großes Thema. Markus Bauer und Daniel Queng erzählten über ihre Erfahrungen mit Catering-Angeboten, Dr. Melanie Linden von Goodmans Burger Truck aus Köln beschrieb, wie man Risiken bei Caterings abfedern kann und wie man überhaupt Kunden gewinnt. Gerade der Bedarf an Hilfestellungen zum richtigen Angebotsschreiben.

Die Erfahrungen von Jochen Manschke von der Lunchkarawane aus Hamburg und Klaus P. Wünsch von Foodtrucks Deutschland – kamen in der Diskussion zum Thema „Wie komme ich an gute Standplätze“ leider viel zu kurz. Was beide zu berichten hatten, war aber trotzdem sehr hilfreich für die Branchenvertreter. So erzählte Jochen, wie die Lunchkarawane in Hamburg arbeitet und wie hart der Weg zum aktuellen Erfolg war. In die gleiche Kerbe schlug auch Klaus, der aus der sehr erfolgreichen Foodtruck-Region Nürnberg berichtete. Auch dort musste das Mittagsgeschäft über längere Zeit gemeinsam (!) aufgebaut werden. Persönlich begeistert uns von Craftplaces natürlich auch die Information aus der Auswertung eines Foodtruck-Unternehmens, dass über ⅔ der Kunden über die Foodtrucks App und über die Städteseiten zu deren Foodtrucks finden.

Fazit

Die internationalen Inhalte auf dem Kongress haben mich wirklich begeistert. Gründer, Küchenchefs und Foodblogger aus aller Welt berichteten von ihren Erfahrungen. Dies ermöglichte einen wunderbaren Austausch zwischen den Fachvorträgen – auch wenn er für mich persönlich etwas zu kurz kam. So hätte ich mich beispielsweise gern mehr mit den Kollegen aus London/ Birmingham ausgetauscht. Dass Organisation und Timing beim Kongress nicht die Beste war, blieb auch den Veranstaltern nicht verborgen. Der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die aktuell stattfindende Professionalisierung der Branche auch die Inhalte des Kongresses mehr beeinflussen sollte. Meiner persönlichen Meinung nach wäre es ideal, die Streetfood Convention und den STREET FOOD CONGRESS Europe zusammen zu legen, da sich beide Fachkongresse perfekt ergänzen würden. Ein noch größerer Austausch auch mit Unternehmen würde dies ermöglichen. Mal sehen, was die Zeit bringt :-).

  • Autor
  • Markus A. Wolf
  • Letzte Änderung
  • 2018-12-14
  • veröffentlicht
  • 2018-01-17
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Portrait Markus A. Wolf

Markus A. Wolf

Vom Lebensmittelchemiker zum Designer. Guter Ge­schmack ist ihm angeboren. „Slow food on fast wheels“ ist das Credo des Foodtruck-Experten und Innovationsmanager, mit dem er die Branche beschreibt.