Wer Stephan Rashidi Azar auf dem Weg zur Arbeit sieht bekommt schnell den Eindruck, sich in London zu befinden. Doch der Schein trügt; auch wenn „nur“ die Nordsee die beiden Metropolen von einander trennt, seid ihr in Hamburg. Die „Ohhhhs“ und „Ahhhhs“ sind auf dem ersten Blick sicherlich dem restaurierten Oldtimer-Doppeldecker-Londonbus – stilecht in rot – aus dem Jahr 1949 geschuldet.

Dass dieser Hingucker durch die Elbmetropole kurvt, ist vor allem der legendären „Burger Bar“ in Amsterdam zu verdanken. Aus dieser Location zog Stephan seine Motivation für den eigenen Foodtruck. Nur saftige Burger von Freilandrindern, mit Butter verfeinert und natürlich mit Brioche-Burger-Buns, – was sonst? Ich hatte die Gelegenheit, Stephan unsere beliebten „10 Fragen“ zu stellen. Hier sind seine Antworten.

Erzählt bitte kurz was ihr in eurem Foodtruck anbietet!

Wie der Name erahnen lässt, stecken wir unsere ganze Liebe und Kraft in ein ausgewähltes Produkt: den Burger.

Wie seid ihr auf die Idee zu einem Foodtruck gekommen?

Die Idee einen Burgerladen aufzumachen, hatte ich schon vor vielen Jahren nach einem Besuch der legendären “Burger Bar” in Amsterdam. Das Konzept fand ich einfach super; es gab einen “Grundburger” aus frischem Beef und die Gäste konnten sich ihren Burger, je nach Vorlieben und Geschmack mit verschiedenen Toppings selbst verfeinern.

Einige Jahre später sollte dieser Plan dann in die Tat umsetzt werden, aber die Suche nach einem geeigneten Objekt gestaltete sich schwieriger als gedacht. So wurde die Idee geboren ein mobiles Burger-Restaurant zu eröffnen. Bei der Suche nach einem geeigneten Bus mit dem gewissen Etwas bin ich dann auf “Big Ben” gestoßen. Der Londonbus war bereits zur Cocktailbar umgebaut und wurde durch uns nur noch mit dem Einbau einer Profiküche ergänzt, sodass wir jetzt unsere Burger daraus servieren konnten. Das Ganze habe ich selber finanziert und natürlich wurde alles viel umfangreicher als geplant. Sogar einen neuen Motor mussten wir organisieren, was für so einen Oldtimerbus, von dem es nur noch wenige Exemplare auf der Welt gibt, nahezu unmöglich war.

Bietet ihr ein spezielles Produkt an oder eher eine größere Palette an Gerichten?

Unsere Spezialität ist natürlich unser Big Beef Burger, der auch als Double- oder Triple Burger bestellt werden kann. Außerdem haben wir immer mal wieder Pulled Meat mit Beef, Pork oder Turkey, Veggie oder Chicken Burger im Sortiment. Als Beilage bieten wir Pommes aus Süßkartoffeln, wahlweise mit Ketchup, Big-Ben- Spezial-Sauce oder Trüffelmayonnaise an. Da wir aber einen professionellen Koch beschäftigen sind wir in der glücklichen Lage, noch ganz andere kulinarische Köstlichkeiten anbieten zu können. So haben wir bereits einige Events mit hochwertigem Fingerfood samt Getränken wie Fassbier, Wein und Cocktails ausgerichtet. In unserem Repertoire haben wir zum Beispiel Kräuter-Crepes, Involtini mit Räucherlachs, Thunfisch Sashimi-Style, Scampispieß mit Mango-Chilli-Chutney und vieles mehr.

Unsere Weine beziehen wir vom Weingut Braun in Fahr am Main. Wir haben die Kellerei vor Ort besichtigt und natürlich alle Weine selber verkostet. Seitdem sind wir absolut überzeugt von dem Produkt!

Worauf seid ihr besonders stolz?

Besonders stolz bin ich natürlich auf unsere alte Lady “Big Ben” und darauf, was mein Team und ich innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne trotz aller Widrigkeiten und Rückschläge auf die Beine gestellt haben. Aber auch jedes Mal, wenn Passanten stehen bleiben um sich mit unserem Bus zu fotografieren oder uns gesagt wird, wie sensationell unsere Burger schmecken, wissen wir, warum wir nur mit frischen Zutaten arbeiten und uns so viel Mühe geben. Dass wir Menschen mit unserem Bus und unserem Essen Freude bereiten können macht mich stolz und zeigt mir, dass der Weg und meine Entscheidung richtig war.

Ein restaurierten Oldtimer-Doppeldecker-Londonbus als Foodtruck

Fahrt ihr mittags oder abends eine Tour?

Wir werden in der Region Hamburg häufig für Firmenveranstaltungen, Events oder Festivals gebucht. Oft trifft man uns auch donnerstags auf dem Spielbudenplatz zum Streetfood Thursday. Die Atmosphäre und der Zusammenhalt der Foodtrucker dort ist einfach toll. Das Mittagsgeschäft läuft langsam an. Wir sind dabei freie Plätze zu suchen, auf denen wir regelmäßig stehen können. Ab und zu sieht man uns aber bereits in der Hafencity, Quickborn und in Bramfeld. Ein fester Standplatz für die Abendstunden ist für 2016 bereits in Planung.

Wie häufig seid ihr auf Foodtruck- oder Street-Food-Events?

Wir haben seit unserer Premiere Ende Juli dieses Jahres (2015) schon an mehreren Street-Food Events teilgenommen. Toll, dass diese Events organisiert werden, denn das ist für alle Foodtrucker eine sehr gute Plattform, um bekannt zu werden und ihr Produkt einem breiten Publikum zu präsentieren.

Habt ihr einen gastronomischen Hintergrund?

Mein gesamtes Team besitzt Erfahrung in der Gastronomie. Meine Freundin hat etliche Jahre nebenbei in der Gastronomie gejobbt und unser gelernter Koch ist Koch mit Leib und Seele! Mein Bruder ist Küchenchef und hat in renommierten Restaurants gearbeitet. Er hilft mir zum Glück in allen Fragen rund ums Essen weiter. Unsere Eltern hatten ein Hotel und Gasthaus, sodass wir von klein auf in der Gastronomie aufgewachsen sind. Hauptberuflich habe ich vorher aber was ganz anderes gemacht. Ich habe lange Zeit als Beschaffungsdisponent in einem sehr bekannten Versandhandel in Hamburg gearbeitet und nebenbei ein BWL-Studium erfolgreich abgeschlossen. So gesehen hatte ich einen guten Job und eine erfolgversprechende Perspektive – aber mein Traum war eben ein anderer.

Was waren eure größten Hürden auf dem Weg zum Foodtruck?

Oh mein Gott, wo soll ich anfangen? Für uns war, so komisch es klingt, eigentlich der Bus die größte Hürde. Ständig war etwas kaputt, es mussten diverse Ersatzteile beschafft werden und im Hintergrund war immer die Angst: Habe ich mir zu viel vorgenommen? Eigentlich wollten wir bereits im Mai starten, doch wir brauchten noch bis Ende Juli. Dann wurde es aber auch Zeit, denn so langsam ging das Geld zu Ende und die Nerven lagen blank.

Könnt ihr autark arbeiten oder benötigt ihr externen Strom?

Wir haben einen großen Frischwasser- und zwei Abwassertanks verbaut und betreiben unsere Küchengeräte mit Propangas. Für Beleuchtung, Abzug und Kühlung benötigt “Big Ben” -16 -A -Starkstrom, den wir mit einem externen Stromaggregat selbst erzeugen, falls keine geeignete Stromquelle in 50m Entfernung zur Verfügung steht. Wir sind also für jeden Event optimal gerüstet und können absolut autark arbeiten. Im nächsten Jahr sind noch Gel-Batterien und eine Überdachung unserer Dachterrasse geplant, damit wir bei jedem Wetter garantiert unabhängig bleiben.

Was würdet ihr beruflich machen, wenn ihr keinen Foodtruck hättet?

Vermutlich immer noch im Büro eines großen Konzerns als Beschaffungsdisponent arbeiten und mich ständig darüber ärgern, dass ich die Chance nicht ergriffen habe, als sich die Gelegenheit dazu bot.

  • Autor
  • Markus A. Wolf
  • Letzte Änderung
  • 2018-12-14
  • veröffentlicht
  • 2015-11-27
  • Tags
  • Bilder
  • Sven Krohn / KrohnPhoto

Portrait Markus A. Wolf

Markus A. Wolf

Vom Lebensmittelchemiker zum Designer. Guter Ge­schmack ist ihm angeboren. „Slow food on fast wheels“ ist das Credo des Foodtruck-Experten und Innovationsmanager, mit dem er die Branche beschreibt.