Für Christian Kuper kam die private Umorientierungsphase genau richtig, als er 2013 beschloss, veganem Fast Food auf Hamburgs Straßen eine Chance zu geben. Heute macht er zusammen mit Topias Rohde und zwei Foodtrucks die Stadt kulinarisch glücklicher.

Die zwei Foodtrucks wurden aufwändig umgebaut und vereinen optisch einen Airstream Trailer und einen klassischen Foodtruck. Als erster veganer Foodtruck Deutschlands und zweiter Foodtruck Hamburgs kann sich Vincent Vegan mittlerweile über 13.000 Fans auf Facebook freuen. Das ganze Team hilft täglich mit, das Mittagsgeschäft auch in Hamburg bekannter zu machen. Zusätzlich sind sie noch auf einigen lokalen Märkten und bei FC St. Pauli-Heimspielen anzutreffen.

Christian, erzähl bitte kurz was ihr in eurem Foodtruck anbietet!

Wir machen veganes Fast Food. Alles – wie der Begriff „vegan“ vermuten lässt - rein pflanzlich und „trotzdem“ extrem herzhaft und natürlich awfully delicious.
Wir cruisen in Hamburg mit zwei eigens für uns gebauten Foodtrucks umher. Auf dem Zugwagen von Fiat befindet sich der silbrig-verchromte Aufbau im Airstream-Stil, gebaut von der Firma ROKA in Mengerskirchen.

Wie seid ihr auf die Idee zu einem Foodtruck gekommen?

Die Idee kam mir im Zuge meiner beruflichen und auch privaten Umorientierungsphase in August 2013. Ich wollte meine erlangten kaufmännischen Fähigkeiten in Einklang bringen mit meiner Ideologie, meine Intention ein eigenes Unternehmen gründen zu wollen und meiner „sich-ausbreiten-wollenden“ Kreativität – in der Küche und auch konzeptionell.

Dann hat es noch mal bis Juni 2014 gedauert, ehe ich alles Geld beisammen und den Business-Plan + alles andere stehen hatte. Family + Friends waren und spielten dabei im ersten Schritt eine größere Rolle als Banken oder Investoren. Ich wollte ein „Proof-of-Concept“ wie man veganes Fast Food auf Hamburgs Straße bringen kann.

Bietet ihr ein spezielles Produkt an oder eher eine größere Palette an Gerichten?

Die Intention war veganes Fast Food auf die Straße zu bringen. Da lag das Produkt Burger natürlich nahe und somit sind wir relativ schnell für unsere Burger-Kreationen „bekannt“ geworden . Wir möchten uns darauf aber nicht auf ewig festlegen lassen...

Unsere Currywurst kann sich ebenso sehen und schmecken lassen, wird aber in Sachen Beliebtheit zweifellos getoppt von unseren Sweet Fries und unseren selbstentwickelten Soßen. Hier und da sind wir auch immer mal für Überraschungen gut! „Creative Shit“ halt, wie wir zu sagen pflegen ;-)

Worauf seid ihr besonders stolz?

Es ist cool zu sehen, dass uns bei Facebook nach knapp 16 Monaten über 13.000 Menschen liken und wir einen maximalen Reviewschnitt von 5.0 inne haben. Die Leute verlassen fast ausnahmslos zufrieden unseren Vegan Wagon. Der Umstand, dass wir der 2. Foodtruck in Hamburg und der erste vegane Foodtruck sind und bleiben, geht ebenso runter wie Öl.

STOLZ empfinde ich „nur“, wenn ich an mein Team und mein Umfeld denke, die bis hierhin einfach so derbe gut mitgezogen haben…

„Creative Shit“ halt, wie wir zu sagen pflegen

Fahrt ihr mittags oder abends eine Tour?

Wir versuchen das Mittagsgeschäft in Hamburg mitzunehmen, merken aber hier und da, dass Hamburg zum Teil noch nicht so weit ist. Nürnberg zum Beispiel ist an dieser Ecke wesentlich etablierter. Aber wir sind guter Dinge, dass sich Hamburgs Foodtrucks entwickeln...

Aktuell besuchen wir neben den Mittagsstandorten auch einige Märkte, können bei FC St. Pauli-Heimspielen verkaufen und ergänzen unsere Aktivitäten um diverse Events und Cateringaufträge.

Wie häufig seid ihr auf Foodtruck- oder Street-Food-Events?

Wir haben was das betrifft in diesem Jahr einiges mitgenommen, auch außerhalb Hamburgs. Derzeit selektieren wir aber stärker aus, weil es – wie in jeder anderen Branche auch – gute und nicht so gute Alternativen gibt. Insgesamt freuen wir uns natürlich sehr, dass es vermehrt Angebote solcher Art gibt, gleichzeitig halten wir Augen und Ohren offen und sehen auch die Gefahr einer Übersättigung des Marktes. Deshalb ist es unseres Erachtens nach notwendig, sich auch mal „rar“ zu machen und immer sensibel gegenüber den Bewegungen des Marktes zu bleiben.

Habt ihr einen gastronomischen Hintergrund?

Ich selbst habe keinen ausschweifenden gastronomischen Hintergrund. Habe aber immer gerne in der Küche experimentiert und meiner Kreativität freien Lauf gelassen. Letzteres war auch immer der wichtigste Aspekt für mich. Auch mal andere Wege gehen! Das gilt wohl auch generell...

Mein Partner Topias Rohde, den ich Anfang des Jahres gewinnen konnte ist da besser aufgestellt und hat langjährige Erfahrung. Dafür und weil er einer meiner besten Freunde geworden ist, bin ich sehr dankbar.

Was waren die größten Hürden auf dem Weg zum Foodtruck?

Ein bisher für deutsche Verhältnisse eher unerforschtes Geschäftsfeld zu beackern, in der Planung genauso wie in der Ausführung, war und ist eine herausfordernde Tätigkeit und keinesfalls zu unterschätzen. Der Aufwand „an der Front“ (im Truck), hinter den Kulissen (in der Küche) und im Back-Office bedarf einer gehörigen Portion „dedication“. Dann kann es schon auch geil sein und Spaß machen ☺

Könnt ihr autark arbeiten oder benötigt ihr externen Strom?

Wir können autark arbeiten und tun das auch!

Was würdet ihr beruflich machen, wenn ihr keinen Foodtruck hättet?

Ich würde mir einen Foodtruck anschaffen ☺

  • Autor
  • Markus A. Wolf
  • Letzte Änderung
  • 2019-01-18
  • veröffentlicht
  • 2015-11-10
  • Tags
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  • Vincent Vegan

Portrait Markus A. Wolf

Markus A. Wolf

Vom Lebensmittelchemiker zum Designer. Guter Ge­schmack ist ihm angeboren. „Slow food on fast wheels“ ist das Credo des Foodtruck-Experten und Innovationsmanager, mit dem er die Branche beschreibt.