Karlsruhes erster Foodtruck bietet Burger aus Fleisch von der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall an – vom bekanntermaßen besten Metzger der Stadt, der Metzgerei Brath, laut “Feinschmecker” eine der Top-Metzgereien Deutschlands.

Die täglich frisch gebackenen, handgemachten Brötchen stammen aus einer regionalen Bäckerei und auch die Soßen werden nach hauseigenen Rezepten hergestellt. Mit billigem Fast Food hat “The Elephant Foodtruck” also nichts zu tun.

The Elephant Foodtruck macht von Dienstag bis Freitag an vier verschiedenen Standorten Halt: drei in Karlsruhe und einer in Bruchsal. Vom klassischen Cheeseburger über Eigenkreationen mit Spiegelei und Roter Beete bis hin zum veganen Burger findet sich auf der Karte eine große Auswahl. Um den Foodtruck zu testen, suchte ich mir den Standort New-Jersey-Straße in Karlsruhes Nordstadt aus. Trotz leichten Nieselregens waren die beiden sehr sympathischen Betreiber Gordon Glökler und Di Chen bestens gelaunt und nahmen sich neben den Vorbereitungen für den mittäglichen Gästeandrang Zeit, meine Fragen zu beantworten. Die Burgerhungrigen kamen nicht nur zu Fuß von den umliegenden Bürogebäuden – einige waren auch durch die Foodtrucks Deutschland Liste und Foodtruck App auf den Truck aufmerksam geworden und fuhren extra mit dem Auto an.

Warum “Elephant Food Truck”?

Gordon: Wir mögen beide Elefanten: Ein Elefant ist ein sympathisches Tier und wir wollten uns mit dem Namen nicht zu sehr auf eine Sache, wie zum Beispiel Burger, festlegen – vielleicht wollen wir ja irgendwann noch andere Gerichte anbieten.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, einen Foodtruck zu betreiben?

Gordon: 2011 haben wir uns auf der Hotelfachschule beim Meisterkurs kennengelernt und ziemlich schnell beschlossen gemeinsam etwas anzupacken. Wir sind beide viel gereist und so kamen wir auf die Idee Streetfood nach Deutschland zu bringen. Wir wollten aber von Anfang an hauptsächlich die Mittagspause bedienen. Ursprünglich dachten wir an ein Lokal, aber die Standortsuche erwies sich als sehr schwierig: Es sollte eine Location mit vielen umliegenden Bürogebäuden sein, die dazu auch noch finanziell realisierbar sein musste.

Di: Zuerst schauten wir uns in Heidelberg um, wo auch die Hotelfachschule ist. Doch letzten Endes entschieden wir uns für Karlsruhe. Zum einen sind die Preise in Heidelberg sehr hoch, zum anderen stammt Gordon aus Karlsruhe. Außerdem ist Karlsruhe eine große Stadt mit vielen Studenten, da sahen wir eine größere Zielgruppe für unser Vorhaben.

Gordon: Wir haben in der Zeit von 2011 bis 2014 – neben unseren Hauptjobs – gedanklich immer wieder verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, wie und wo wir uns unser Lokal vorstellen könnten. Bei mir in der Straße ist eine alte Bäckerei – da saß ich mit einem Zähler davor und habe die Passanten gezählt, um herauszufinden, ob es sich lohnen würde, dort einen Laden zu eröffnen.

Nachdem wir keine passende Location gefunden haben, stieß ich zufällig über Foodtrucks Deutschland und habe mich da einfach mal reingelesen. Im Sommer 2014 fuhr ich auf dem Weg in den Holland-Urlaub bei Snack´n Roll in Essen vorbei und habe mich vor Ort mit einigen Betreibern unterhalten. Danach konnte ich es mir sehr gut vorstellen, selbst einen Foodtruck zu betreiben. Vor allem in Karlsruhe, wo die vielen Baustellen die Besucherströme ständig verändern, ist man damit nicht an einen Standort gebunden.

Wusstet ihr schon von Anfang an, dass es Burger werden würden?

Di: Ja. Auch als wir noch ein Lokal planten, wussten wir bereits, dass es Burger werden sollten. Die Idee kam uns auf einer Reise nach Budapest. Dort haben wir gesehen, dass es nicht immer nur McDonalds Fast Food sein muss, sondern dass Burger durchaus auch anders gehen. Außerdem sollte es nicht zu speziell sein: Burger sind in Deutschland so akzeptiert wie z.B. Döner. Wenn es zu exotisch ist, sind wir pleite, bevor wir uns etablieren können. Wir wollten mit etwas Sicherem anfangen, damit wir eine gute Chance haben und uns langsam an andere Projekte herantrauen können. Wie zum Beispiel chinesisches Pulled Pork, das ist so eine Idee von mir, die ich im Winter, wenn es ruhiger ist, mal umsetzen will. Dann sehen wir, wie das geschmacklich angenommen wird. Zu speziell ist immer ein bisschen schwierig.

Wie habt ihr eure Lieferanten ausgesucht?

Gordon: Wir haben von Anfang an gesagt “Billig wollen wir auf keinen Fall.”

Di: Wenn wir etwas machen, dann wollen wir es gut machen. Wir wollen keine 2-Euro-Burger verkaufen und hatten deshalb von Beginn an eine hohe Qualität im Sinn. Also testeten wir verschiedene Metzger. Die Metzgerei Brath war die teuerste und beste. Beim Probe-Essen haben wir das Fleisch sogar ungewürzt getestet, um wirklich die beste Qualität zu erhalten.

Gordon: Auch bei den Pommes haben wir uns lange umgesehen und sie mit Hilfe von Fragebögen bewerten lassen. Die Roggenvollkornbrötchen kommen von einer regionalen Bäckerei, der Vollkornbäckerei Fasanenbrot. Wir haben auch normale Sesambrötchen von einer Bäckereikette, dafür haben wir uns nach langer Suche für die handgemachten Brötchen von Neff entschieden, die wir jeden Tag frisch holen. Da wir auch die Soßen selbst herstellen, sind wir immer auf der Suche nach den besten Zutaten. Selbst unser Ketchup ist nach hauseigenem Rezept hergestellt. Leider bekommt man viele Zutaten, die ich mir für einige Soßen vorstelle, nicht in der gewünschten Qualität, so dass ich bisher noch darauf verzichten muss.

“Ach ja, so langsam sind wir gar nicht.”

Habt ihr eine Spezialität?

Di: Unser Elephant Burger mit Spiegelei und Roter Bete ist immer auf der Karte. Ansonsten haben wir wechselnde Specials. Nach einem Burger fragen die Leute aber immer wieder: Da ist österreichischer Bergkäse, Rosmarinöl und Rosmarin drauf. Die Leute lieben das Rosmarinöl. Jetzt haben wir endlich einen Lieferanten gefunden, der uns den Käse in der gewünschten Qualität und Menge liefern kann. Er muss jetzt nur noch ein bisschen nachreifen. Die Kunden warten schon – das ist natürlich toll.

Wieviele Burger gehen pro Tag in den drei Stunden Mittagszeit über die Theke?

Gordon: Das ist ganz nach Standort unterschiedlich. Beim einen sind es im Schnitt so 80 bis 100 Burger, beim anderen eher 50 bis 100. Je nachdem, ob Ferien sind oder nicht. Wir haben auch schon 150 gehabt. Beim ersten Catering haben wir zum Spaß ermittelt, wieviele Burger wir schaffen – wir dachten, wir wären zu langsam.

Di: Wir haben dann ausgerechnet, dass wir 46 Sekunden für einen Burger brauchen. Da dachten wir: “Ach ja, so langsam sind wir gar nicht.”

Wie hoch ist der Arbeitsaufwand für den Foodtruck?

Di: Die Arbeitszeit ist recht lang, wir sind täglich 12-13 Stunden unterwegs – für drei Stunden Verkaufszeit. Schon die Fahrten von A nach B nehmen ziemlich viel Zeit in Anspruch: Wir fangen um acht Uhr morgens an und holen jeden Tag die Brötchen, den Salat und das Hackfleisch. Wir machen die Patties jeden Tag frisch. Um etwa 10 Uhr fahren wir dann Richtung Standort und bauen alles auf. Nach Verkaufsende putzen wir noch am Standort so viel wie möglich, da alles ja noch abkühlen muss. Am Nachmittag heißt es dann Geschirr spülen, Wasser nachfüllen, wieder für den nächsten Tag alles aufladen. Wenn wir gut sind, sind wir so um 18 Uhr fertig. Dann kommt noch die Büroarbeit dazu, Facebook und so weiter.

Gordon: Leider ist unser Lager eigentlich zu klein. Es ist gar nicht so einfach, in Karlsruhe etwas zu finden, weil der Truck 3,70 Meter hoch ist. Das heißt, der Truck passt nicht ins Lager und steht wo anders, so dass wir ihn morgens immer holen und abends wieder wegbringen müssen. Hinzu kommt, dass wir an einem der Standorte keinen Strom haben und einen eigenen Generator mitbringen müssen – der muss dann auch von wo anders geholt und wieder zurückgebracht werden. Alle zwei Tage kaufen wir Getränke ein und bringen das Leergut weg – das ist alles Arbeitszeit, die man noch optimieren könnte, wenn das Lager groß genug wäre.

War es schwer, einen Truck zu finden?

Gordon: Meine Frau hat ihn nach längerer Suche im Internet gefunden.

Di: Wir hatten im Vorfeld schon mal eine Küche planen lassen, mit allen Geräten, aber allein das war schon fast unbezahlbar. Das ging bei 40.000 Euro los – und da hatte man noch nicht mal die Topgeräte. Und dann kämen ja noch die Kosten für den Truck und der Einbau dazu. So war es ganz toll, dass meine Frau diesen fertigen Foodtruck im Netz fand.

Gordon: Ich habe ihn mir angeschaut, die Geräte inspiziert und alles von befreundeten Gastronomen einschätzen lassen. Das sind wirklich gute Geräte und zu dem Preis haben wir zugeschlagen.

Wie lange dauerte es von der Idee bis zum ersten verkauften Burger?

Gordon: Nachdem wir beschlossen haben, dass es ein Foodtruck werden soll, hat es drei Monate gedauert, bis wir ihn hatten. Wir haben ihn im September 2014 gekauft und dann im Oktober in Nürnberg beim Foodtruck RoundUp abgeholt. Ich hatte schon gekündigt, um mich um den Truck zu kümmern und Di hat noch weiter in ihrem alten Job gearbeitet. Ich habe mit meinem Vater die ganze Elektrik überarbeitet und natürlich den entsprechenden Führerschein gemacht. Seit März 2015 sind wir in Karlsruhe unterwegs. Also insgesamt etwa acht oder neun Monate von der Idee bis zum Start.

Habt ihr einen gastronomischen Hintergrund?

Di: Ich habe in China zuerst Psychologie und Wirtschaft studiert und dann viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet, die ich mir dann habe anerkennen lassen.

Gordon: Ich habe in Eggenstein im Goldenen Anker Koch und Hotelfachmann gelernt. Heute sind wir beide Dipl. Gastronomen und Hotelmeister.

Wie lief das erste halbe Jahr? Wurden eure Erwartungen erfüllt?

Gordon: Es lief sehr gut. Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Wir hatten nicht mit so viel Catering gerechnet im ersten Jahr – wir erwarteten eher, dass wir mehr Aufwand in Werbung für unser Catering stecken müssten. Aber eigentlich haben wir gar keine Werbung gemacht und die Leute kamen von selbst auf uns zu. Das funktioniert außschließlich gut durch Mundpropaganda und den Lösungen, die uns Foodtrucks Deutschland (heute Craftplaces / Anm.d.Red.) so bietet.

  • Autor
  • Tu-Mai Pham-Huu
  • Letzte Änderung
  • 2018-12-14
  • veröffentlicht
  • 2015-10-16
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  • Tu-Mai Pham-Huu

Tu-Mai Pham-Huu

Die passionierte Hobbyköchin und Foodbloggerin – Oh wie Yummi – arbeitet hauptberuflich als Redakteurin beim Karlsruher Institut für Technologie und bei Nürnberg und so.