Als der Anruf aus München kam, waren wir echt begeistert. Viele der dortigen Foodtrucks wollten sich zu einem Verein zusammenschließen, um gemeinsam das Tagesgeschäft in der Region weiter auszubauen. Ein Grund uns auf den Weg nach München zu machen, um den Trucks vor Ort unter die Arme zu greifen.

Das war im Oktober 2015. Seitdem haben sich die Münchner Foodtrucks in regelmäßigen Abständen getroffen und Ideen darüber ausgetauscht, wie sie das Mittagsgeschäft in der Region voranbringen können. Gerade die Starthilfe von uns war sehr hilfreich. Im Vergleich zum Nürnberger Tagesgeschäft liegt die Anzahl der Portionen in München weit hinter dem, was möglich ist. Das Tagesgeschäft entwickelt sich sehr träge und fordert viel Engagement. Engagement, das honoriert werden muss. In der Vergangenheit haben sich Foodtrucks untereinander die lukrativen Plätze oft streitig gemacht. „Das darf nicht sein“, meinte Mel von „The Cave“ im Gespräch. „Weil diese Situation dazu führte, dass es uns allen schlechter ging, mussten wir etwas ändern.“ Daher gründeten die Münchner Foodtrucks im Januar 2016 die Küchenkolonne. Ein Verein, dessen Ziel es ist, das Mittagsgeschäft gemeinsam anzukurbeln.

Durch die Beteiligung vieler Münchner Foodtrucks an den RoundUps in Nürnberg wussten sie, wie es nördlich der Donau täglich funktionieren kann. Das für München zu adaptieren war und ist das Ziel der Küchenkolonne.

Erfolgsgarant ist die Kooperation untereinander. Das bedeutet, dass sich alle gegenseitig helfen und nicht jeder für sich kämpft. Der eine kümmert sich um die Kommunikation vor Ort (beispielsweise Flyer verteilen oder Telefonanrufe bei Firmen). Andere kümmern sich um die rechtlichen Aspekte oder um die Standortverteilung. Aufgaben gibt es genug. Damit auch jeder für sein Engagement entlohnt wird, sollte von jedem Mitglied eine Unkostenpauschale entrichtet werden, damit der Verein kostendeckend arbeiten kann.

Mit Kooperation zum Erfolg!

Ziel des Ganzen ist es, der „Wilderei“ der regionalen Foodtrucks untereinander Einhalt zu gebieten. „München ist besonders“ betont Mel immer und immer wieder. Auch aus unserer Erfahrung heraus ist jede Region unterschiedlich. Ziel sollte immer sein, einen eigenen Weg zum erfolgreichen Tagesgeschäft zu finden. Ein Weg, der nur dann erfolgreich beschritten werden kann, wenn alle Foodtrucks der Region zusammenarbeiten.

Dabei ist die Aufgabe nicht leicht. „Zu Beginn dachten wir noch sehr naiv“, meint Mel rückblickend. „Jetzt machen wir mit jedem Standortgeber einen Vertrag, der alles regelt, was notwendig ist“. Zum Glück ist es in München wie auch in vielen anderen Regionen so, dass es mehr Firmen gibt, die Standorte zur Verfügung stellen wollen, als Foodtrucks, die suchen. Aber trotzdem heißt das nicht, dass jeder Standort gut funktioniert.

Was an dem einen Platz sehr gut ankommt, funktioniert schon ein paar Kilometer weiter nicht mehr. Genau das gilt es gemeinsam zu analysieren. Zuverlässigkeit ist dabei ein elementarer Faktor. „Das hat in der Vergangenheit manchmal nicht so gut geklappt“, gibt Mel zu und gelobt Besserung. Dass die Verbindlichkeit ein wichtiger Punkt ist, leuchtet jedem ein. Auch wir sind nicht erfreut, wenn ein Foodtruck sich für einen bestimmten Ort und Uhrzeit ankündigt, dann aber nicht kommt. Das funktioniert vielleicht ein oder zwei mal, aber dann leidet die Akzeptanz erheblich.

Im Vergleich zu Nürnberg oder Hamburg gibt es bei der Küchenkolonne in München keine feste Rotation bestimmter Trucks. Das führt dazu, dass Dienstag nicht immer Burger-Tag ist, oder donnertags Hot-Dog-Tag. Den Münchnern kommt es entgegen und die kulinarische Vielfalt, für die Foodtrucks stehen, unterstützt die Wirkung zusätzlich.

Natürlich hat auch die Küchenkolonne mit den ersten Kinderkrankheiten zu kämpfen. Nach der ersten Euphorie ist der Alltag eingekehrt und es gilt erste Herausforderungen zu meistern. Herausforderungen, die aber lösbar und wichtig für den späteren Erfolg sind.

Wir wünschen der Küchenkolonne in der Region München jede Menge Durchhaltewillen und unterstützen die Region durch Craftplaces Business.

Wenn ihr, motiviert durch die Küchenkolonne, auch in eurer Region gemeinsam das Tagesgeschäft beleben wollt, dann setzt euch an einen Tisch und arbeitet zusammen, nicht gegeneinander. Wir von Craftplaces werden auch zu dem Thema in Zukunft weitere Informationen veröffentlichen, die euch helfen werden, Standorte im Tagesgeschäft erfolgreich zu entwickeln.

UPDATE

Inzwischen gibt es die Küchenkolonne München nicht mehr. Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des Vereins sowie die Aufgabenverteilung führten zur Auflösung. In anderen Städten funktioniert der Austausch unter Foodtruckern auf anderer Ebene (ohne feste Vereinsstruktur) weiterhin sehr gut.

  • Autor
  • Markus A. Wolf
  • Letzte Änderung
  • 2019-10-17
  • veröffentlicht
  • 2016-04-18
  • Tags
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  • Küchenkolonne München

Portrait Markus A. Wolf

Markus A. Wolf

Lebensmittelchemiker, Designer, Informatiker: Guter Ge­schmack ist ihm angeboren. „Slow food on fast wheels“ ist das Credo des Foodtruck-Experten, Innovationsmanagers und Co-Founders von Craftplaces.